Leberecht Migge – Ein Revolutionär für das öffentliche Grün


Leberecht Migge (Quelle: www.stadtentwicklung.berlin.de)
Leberecht Migge (Quelle: http://www.stadtentwicklung.berlin.de)

Leberecht Migge wurde am 20.3.1881 als 12. von 13 Kindern in Danzig geboren. Nach seiner Gartenbaulehre, entwickelte es sich schnell vom Gärtner zum Gartengestalter. Doch wurde er nicht für die von ihm gestalteten Gärten bekannt, sondern für seine Theorien über die Funktion und Rolle der Landschaftsarchitektur. Besonders seine Vorstellungen über die soziale Funktion des städtischen Grünraumes waren zu seiner Zeit sehr revolutionär und haben noch Auswirkungen bis heute.

 Um die Bedeutung Migges Theorien zu verstehen, muss man schauen in welcher Zeit er lebte und was sich bis dahin in der Stadtgestaltung getan hatte.

Die Städte hatten gerade ein enormes Wachstum hinter sich. Besonders zur Zeit der industriellen Revolution, als die große Landflucht einsetzte, wuchsen die Städte enorm. Die Städte versprachen deutlich bessere Verdienstmöglichkeiten als das umgebende Land und so zogen Massen von Menschen vom Land in die Stadt. Aber nicht nur durch die besseren Verdienstmöglichkeiten wuchsen die Städte, sondern auch durch ein fast schon explosionsartiges Bevölkerungswachstum, durch verbesserte Hygiene und bessere Medizin. Viele Fabrikarbeiter und ihre Familien wohnten in den berühmt-berüchtigten Mietskasernen. In diesen oft hintereinander gebauten Häusern gab es viele kleine Wohnungen, viele von ihnen ohne Sanitäreinrichtungen oder Anschluss an das Abwassersystem. Die billigsten dieser Wohnungen, hatten teilweise nicht mal Sonnenlicht.

 So ist es nicht verwunderlich, dass private Gärten ein Klassenrecht der vermögenden Klassen waren. Ein einfacher Arbeiter konnte sich einen eigenen Garten nicht leisten. So sind die Forderungen von Migge nach öffentliche Parks, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren und nach Kleingärten eine Reaktion auf eben diesen Umstand.

 Der Ausspruch von Migge: „Das Volk muss sich im Volkspark wirklich tummeln können, sonst hat er keinen Sinn“ zeigt, dass die damaligen Parks und Gärten nicht den Ansprüchen der Bevölkerung genügten.Zu dieser Zeit waren städtische Grünflächen meist rein ästhetischer Natur und dienten nicht der Erholung und Regeneration wie es heute üblich ist.

Migge forderte die Planer solcher Parks auf, die Parks so zu gestalten, dass sie dem Volk Bewegungsmöglichkeiten bot. Aber vor allem forderte er, dass der Stadtpark den Menschen wieder einen Ausgleich zu ihren Leben in der Großstadt bieten muss. So musste es erlaubt sein, die Rasenflächen zu betreten und dort Sport und Spiel zu betreiben, die Natur zu erleben oder sich einfach in dem Park zu entspannen und frische Luft und Sonne zu genießen. Besonders Sonne und frische Luft waren wichtig. Denn in die Mietskasernen der Großstädte drang kaum Sonnenlicht ein und die Luft war durch die Abgase der Fabriken verpestet.

Die gesamten Forderungen hat Migge mit dem Satz „ Der gemeinschaftliche Garten[der Park] unserer Tage wird also zukünftig wieder ein Zweckgebilde sein, berufen, den ganz spezifischen Gebräuchen einer Mehrheit von Menschen Genüge zu tun.“ sehr gut zusammengefasst

The Garden City Concept by Ebenezer Howard
Das Gartenstadtkonzept von Ebenezer Howard (Quelle: Wikipedia)

Eine weiter Theorie von ihm war die Gartenstadt.

Ursprünglich stammte die Idee der Gartenstadt vom Engländer Ebenezer Howard. Leberecht Migge entwickelte daraus eine eigene Theorie. Seiner Meinung nach, sollten die Städte autonom sein, ohne die umliegende Landschaft auszubeuten. Im Rahmen der Reformbewegung im Wohnungs- und Siedlungsbau der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchs die Erkenntnis über die Bedeutung der öffentlichen Grünräume und Freiräume für die Bewohner. In diesen Räumen konnte sie Entspannung und Zerstreuung suchen, hier herrschte eine bessere Luftqualität und sie boten einen Ausgleich zu der Arbeit in der Fabrik.

Mit zunehmenden Interesse für das öffentliche Grün wuchs auch das Interesse am privaten Grün. Aus diesen Bewegungen und Änderungen entwickelte sich der Berufsstand des Freiraumgestalters, der im Gegensatz zum damaligen Gartenarchitekt stand. Der Gartenarchitekt kümmerte sich um die parkähnlichen Gärten der Reichen, während der Freiraumplaner sich um die Bedürfnisse der „kleinen Leute“ kümmerte, z.B. um die kleinen privaten Gärten oder die Volksparks, die der Stadtbevölkerung einen Ausgleich bieten sollten.

Das besondere Interesse Migges lag bei dem privaten Garten. Er sah diesen als einen Erweiterung des Wohnraums an, so wie es heute auch verstärkt der Fall ist. Migge wollte jedem einen technisch guten Garten verschaffen, wobei dieser seinen Prinzipien der Einfachheit, Brauchbarkeit, Wirtschaftlichkeit und Schönheit folgte.

Selbstversorger in der Gartenstadt Falkenberg (Quelle: www.stadtentwicklung.berlin.de)
Selbstversorger in der Gartenstadt Falkenberg (Quelle: http://www.stadtentwicklung.berlin.de)

Einfachheit: Das Auge möchte nicht verwirrt werden, weshalb einfache, klare Formen von Vorteil sind. Was nicht bedeutet, dass es nur rechteckige Beete geben darf. Auch aus einfachen Formen, können komplexe Gebilde entstehen.

Brauchbarkeit: Ein Garten der für die Nutzer nicht zu gebrauchen ist, wird auch nicht genutzt oder gepflegt. Er sollte also bestimmte Funktionen erfüllen, die zu den Nutzern passen.

Wirtschaftlichkeit: Nur ein Garten, den man sich leisten kann, kann man unter- und erhalten. Wenn man also jedes Jahr die exotischen Pflanzen oder die nicht frostfesten Steine der Terrasse ersetzten muss, verliert man schnell die Lust am Gärtnern.

Schönheit: Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters, weshalb es auch so unterschiedliche Gärten gibt, die jeweils den Charakter des Eigentümers widerspiegeln. Denn nur dann fühlt man sich wohl und kann seinen Garten genießen.

 Diesen Prinzipien folge auch ich bei der Gestaltung von Kundengärten. Für viele ist der Garten eine Erweiterung des Wohnbereiches und wird als Freiluftzimmer angesehen, dass vielfältige Funktionen erfüllt. Essen, spielen, kochen, relaxen. Umso wichtiger ist es, dass der Garten allen Ansprüchen gerecht wird.

 Man sieht die damaligen Gedanken der Revolutionäre in der Freiraumgestaltung haben auch heute noch Gültigkeit. So sind auch heute noch öffentliche Freiräume, wie Parks oder Stadtplätze wichtige Faktoren für die Erholung der Stadtbevölkerung. Ebenso wie Naherholungsgebiete zum Beispiel Flussauen, Wälder oder Grünringe, die sich durch die Stadt ziehen. Auch der private Freiraum ist wichtiger denn je. Aber das brauche ich den Lesern dieses Blogs wahrscheinlich nicht zu sagen, wie wichtig das eigene Stück Grün ist 🙂

Viele Grüße,

Janica

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